Das Magazin für Unternehmer
02.04.2002
70 Prozent aller Projekte scheitern an Unfrieden
Organisationsaufstellungen können helfen, Konfliktursachen zu
In der Familientherapie erkannte man schon sehr früh, dass verhaltens- auffällige Mitglieder einer Familie oft gar nicht die Ursache eines Problems sind, sondern es lediglich stellvertretend für das ganze Familiensystem ausdrücken. Daher suchte man nach Möglichkeiten, das System als Ganzes, die Beziehungsmuster zwischen allen Mitgliedern darzustellen, um die Ursache der Störung erkennen zu können. Später übertrug man diese Methode auch auf Unternehmen. Denn auch in Unternehmen gibt es immer wieder Probleme, die weder eine eindeutige Ursache haben, noch mit den üblichen Mitteln gelöst werden können. Da werden gegenseitig Minuspunkte gesammelt, Fußangeln gelegt, Informationen zurückgehalten, da wird gemobbt und um des eigenen Vorteils willen getrickst und geschummelt. Darunter leidet nicht nur das Betriebsklima, sondern es hat auch wirtschaftliche Folgen. Unternehmensberater schätzen, dass 70% aller gescheiterten Projekte auf zwischenmenschliche Querelen zurückzuführen sind.
Eine Aufgabe für Experten
Die Bezeichnung Organisations-Aufstellung meint: Ausgehend von einem konkreten Problem werden die im Umfeld dieses Problems relevanten Personen bzw. Unternehmensbereiche aufgestellt, dargestellt, Beziehungen, Hierarchien, Nähen und Distanzen deutlich gemacht. Daraus ergibt sich ein sichtbares Bild der problematischen Situation, vorausgesetzt, ein erfahrener feinfühliger "Aufsteller" und Psychologe wird zurate gezogen. Auch wenn viele diese Methode belächeln: Bis heute sind diese systemischen Aufstellungen die einzige bekannte Möglichkeit, ein System als Ganzes zu betrachten. Statt nur die Kommunikations- und Verhaltensmuster zwischen einzelnen Systemmitgliedern zu betrachten, gestattet die Aufstellungsarbeit einen Blick auf das ganze System - seine generellen Beziehungsstrukturen und Gesetzmäßigkeiten. Dabei spielt die Größe einer Organisation oder eines Unternehmens keine Rolle. Aufstellungen können ausnahmslos jedes System abbilden.
Welche Probleme können Sie lösen?
Die Autorin hat sich über Jahre einen Namen als Expertin in Sachen Aufstellungen gemacht und auch beim Erarbeiten dieses Beitrages geholfen.
Organisations-Aufstellungen eignen sich generell für alle Problemsituationen, die chronisch erscheinen und keine nachvollziehbaren Ursachen haben. Probleme also, die sich eher unter dem Begriff atmosphärische Störungen einordnen lassen. Sie arbeiten in zwei Schwerpunktbereichen: auf der Ebene des einzelnen Systemmitglieds und auf der Unternehmensebene.
Die Aufstellungen sind nicht die Lösung der Probleme, sie machen sie vielmehr deutlich und geben dem Unternehmer Entscheidungshilfen an die Hand. Das heißt auch: Ist die Aufstellung fertig, kann das Handeln beginnen. Erfahrene Aufstellungs-Experten sagen, dass sich nahezu alle zwischenmenschlichen Probleme mittels Aufstellung erkennen und damit lösen lassen. Besonders geeignet ist diese Methode offenbar, um Probleme wie Motivationsprobleme, hohe Fluktuation und Krankheitsraten von Mitarbeitern problematische Beziehungsstrukturen bzw. Arbeitsbeziehungen Führungsschwierigkeiten problematische Kundenbeziehungen offensiv anzugehen. In Familienbetrieben könnte man sich bei Störungen, die auf die Familien- oder die Managementebene zurückgehen, oder auch bei allen Problemen rund um die Nachfolgeregelung an jemanden wenden, der das Unternehmen aufstellt. Zu den Soft Skills eines Firmenchefs gehört es jedenfalls auch, diese atmosphärischen Störungen beizeiten zu erkennen und an der Lösung zu arbeiten. Nicht erst, Wenn unter diesen Störungen auch die Ertragslage zu leiden beginnt.