Wer richtig steht, der versteht
Die Technik der systemischen Aufstellung will Konflikte in Betrieben und Organisationen anschaulich machen
Ursprünglich stammt die Methode aus der Familientherapie - heute wird sie zunehmend auch für Unternehmen angewandt. Bei der Systemischen Aufstellung versucht man, die Struktur einer Organisation abzubilden. Dazu gruppiert man Menschen in statischen Anordnungen - Unbeteiligte, die die fragliche Situation gar nicht kennen. Die umstrittene These der einschlägigen Trainer: Aus den Wahrnehmungen dieser Statisten kann man interessante Rückschlüsse auf Konflikte und Dynamik der Organisation ziehen.
Aufstellungen bringen in sehr kurzer Zeit maximalen Erkenntnisgewinn.
Managerinnen sparen Zeit und Geld. Mit der Methode der Systemischen Aufstellungen, auch Organisationsaufstellungen genannt, lassen sich binnen kurzer Zeit vielfältige Erkenntnisse über Systeme wie Abteilungen, Geschäftsbeziehungen oder ganze Unternehmen gewinne. Man kann ihre Dynamik und ihre Konfliktstrukturen untersuchen und angemessene Änderungsmöglichkeiten vermitteln. In der Familientherapie sind systemische Aufstellungen seit 20 Jahren bekannt. Im betrieblichen Kontext wird die Methode erst seit wenigen Jahren eingesetzt.
Die Systemaufstellungen werden als relativ junge Methode häufig in Frage gestellt, da sich wesentliche Phänomene noch nicht schlüssig erklären lassen. Wie wird zum Beispiel einem Repräsentanten das "Systemwissen" übermittelt? Dass dies eine Wiederbelebung archaischer Fähigkeiten darstellt, könnte Manager eher abschrecken. Überzeugend sind eher Erfolgsmeldungen nach der Aufstellung: Die Immobilienmaklerin findet einen Käufer für das schwierige Objekt, oder der Anwalt löste seinen Fall mit Hilfe eines zuvor übersehenen Zeugen.
Juristische Aufstellungen
Beim Einsatz der Aufstellungsarbeit in neuen Kontexten hat sich ein spannender Bereich herauskristallisiert: das Erarbeiten von möglichen Lösungsansätzen in Konfliktsituationen. Da juristische Auseinandersetzungen natürlich im Normalfall auf einen Konflikt basieren, bieten sich systemische Aufstellungen als lösungsunterstützendes Werkzeug an. Im Gegensatz zu Aufstellungen von persönlichen Differenzen zwischen zwei Personen spielen im juristischen Kontext im Lösungsfindungsprozess noch viele andere Systemebenen eine Rolle: Rechtsanwalt, Kläger, Verteidiger, Zeugen, Gesetze, Richter, etc.
Welche besonderen Erkenntnisse bietet Aufstellungsarbeit in Konfliktsituationen?
Immer wieder zeigt sich in Aufstellungen, wie ein System auf den Ausgleich von Geben und Nehmen achtet und ein Ungleichgewicht noch Generationen später spürbar wird. Selbst Nachkommen bemühen sich um einen Ausgleich. Die Berücksichtigung dieser Dimensionen kann zur Beurteilung und Klärung von Konfliktsituationen entscheidend beitragen. Zudem steigt dabei die Wahrscheinlichkeit, dass eine Lösung gefunden wird, die von allen Parteien (langfristig) akzeptiert wird. Für welche Konfliktsituationen bieten Aufstellungen Lösungsansätze? Aufstellungsarbeit eignet sich natürlich insbesondere für familiäre Auseinandersetzungen, wie Scheidungen (z. B. "Wo ist das Kind am besten aufgehoben?"), Erbschaftsangelegenheiten oder Nachfolgeregelungen. Ebenso können Konflikte im beruflichen und zivilrechtlichen Bereich bearbeitet werden. Aufstellen kann grundsätzlich jeder der Beteiligten einer Konfliktsituation. Natürlich kann sowohl vor der Einbeziehung eines Juristen zur möglichen Vermeidung einer gerichtlichen Verhandlung als auch während des Ablaufs eines juristischen Prozesses aufgestellt werden. Für Rechtsanwälte und Richter bietet das Erleben systemischer Aufstellungen die Möglichkeit, die eigene Wahrnehmung zu schärfen und systemische Zusammenhänge kennen zu lernen.